Paris, die Stadt der Liebe: Eiffelturm, Arc de Triomphe, Sacré-Cœur, Champs-Élysées, Montmartre. Für “Back 2 Tape” durfte ich im Herbst 2019 aber eine andere Seite der französischen Hauptstadt besuchen.

Lord Esperanza, Rapper, Roadtrip Back 2 Tape, Paris, 2020, Porsche AG

Die Metropole an der Seine ist das Epizentrum internationaler Kunst und Mode. Sie beherrscht leise wie laute Töne, heimische und fremde Beats. Zwei kreative und doch unterschiedliche Kinder dieser faszinierenden Szene sind Nicolas Couturieux und Théodore Despre. Sie kämpfen für Graffiti als Kunstform, für französischen Rap, für Werte - und für die nachfolgenden Generationen.

Sprache als Leidenschaft

Der 23-jährige Théodore Despre ist in Frankreich unter seinem Künstlernamen Lord Esperanza bekannt. Despre ist untypisch für einen Rapper. Früh beweist der Shootingstar der französischen Hip-Hop-Szene, dass Reime nicht aus dem Ghetto kommen müssen. Die eine Seite von ihm, Esperanza, zitiert in seinen Texten Literatur, die andere, Lord, setzt sich kritisch mit dem politischen System auseinander.

„Meine Kindheit war nicht sehr einfach. Ich wuchs in zwei verschiedenen Welten auf. Meine Mutter hatte nicht viel Geld, hat mich aber bei allem unterstützt. Mein Vater nahm mich oft auf klassische Konzerte und Lesungen mit, das prägt meine Musik heute”, sagt Théodore Despre. Seit mehr als vier Jahren macht er nun professionell Musik. Mittlerweile hat Lord Esperanza nicht nur Millionen Klicks auf YouTube und Spotify, sondern auch ein eigenes Label, auf dem französische Newcomer gesignt sind.

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Ein Künstler mit Verantwortung

Lord Esperanza bereichert den Hip-Hop ganz ohne Exzess. So spricht er sich beispielsweise ganz entschieden gegen den Konsum von Drogen aus. „Es gibt zum Glück noch Künstler mit Verantwortung, ich versuche einer von ihnen zu sein. Ich möchte der neuen Generation etwas Hoffnung geben, die Zeiten sind verrückt genug“, erzählt Despre. Vielen sehen ihn als Gegenspieler zur vermeintlich inhaltsleer gewordenen Rapmusik in Frankreich. Einer, der mit intellektuellen Texten und Sprache punktet statt nur mit harten Beats. Ein Literatur-Nerd. „Hip-Hop fing mit einer politischen Meinung an - heute ist es mehr und mehr zum Entertainment geworden. Das versuche ich, neben vielen anderen tollen Künstlern, hier in Paris zu ändern.“

Kunstsammler, Kurator, Hip-Hopper

Ein anderer, der genau diese Maxime verfolgt, empfängt mich an einem recht untypischen Ort für Hip-Hop: in einer Kunstdruckerei. 49 Rue de Montparnasse. Früher unter dem Namen Mourtel Idem bekannt, zählt sie zu den ältesten Druckereien der Stadt. Sogar Matisse und Picasso wurden hier vervielfältigt - ein historischer Ort. 2017 haucht Nicolas Couturieux gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten den alten, schweren Druckwalzen wieder Leben ein.

Der Lebensentwurf des 37-Jährigen könnte kaum bunter sein. Kunstkurator, Hip-Hop-Producer und Editor. Couturieux ist ein Urgestein der Pariser Kreativ-Szene. „Ich möchte, dass Graffiti irgendwann als Kunstform etabliert ist, dass sie in Museen ausgestellt wird“, erzählt Couturieux. „Denn für viele Kunstinteressierte ist ein Graffiti immer noch ein Affront.“

Nicolas Couturieux, Kunstkurator, Roadtrip Back 2 Tape, Paris, 2020, Porsche AG
Couturieux ist ein Urgestein der Pariser Kreativ-Szene

Graffiti als zeitgenössische Kunstform etablieren

Den ersten Versuch einer Hommage an französische und US-amerikanische Graffitikünstler wagt Couturieux seit 2018 in Paris, Nancy und Toulouse in Kooperation mit dem Kollektiv für zeitgenössische Kunst: Le Hangar107. „Graffiti ist mein Leben. Ich reise viel dafür um die Welt und schaue mir besondere Arbeiten an. Nach Paris zu kommen ist natürlich auch immer wieder nach Hause kommen. Unsere Szene pulsiert kräftig.”

Nicolas Couturieux, Kunstkurator, Niko Hüls, Roadtrip Back 2 Tape, Paris, 2020, Porsche AG
Nicolas Couturieux will, dass urbane Kunst in Museen augestellt wird

Dass das auch in Zukunft so bleibt, dafür sorgt der Kunstliebhaber auf vielen Ebenen. „Egal, ob Sprayer, Tänzer oder MCs: Es gibt viele gute Künstler, die kein vernünftiges Label haben.” Mit seinen nationalen wie internationalen Kontakten versucht Nicolas Couturieux zu helfen, bringt sich ein und kuratiert Straßenkunst im Auftrag der Stadt. Immer im Mittelpunkt: das Wohl aller.

2015, nach dem dramatischen Terroranschlag auf die Redaktion der Pariser Zeitschrift Charlie Hebdo, sammelt der 37-jähriger in Zusammenarbeit mit der Zeitung Libération und dem Palais de Tokyo tausende Euros um Programme zu finanzieren, die sich für Pressefreiheit einsetzen. Gegen das Vergessen des Holocaust organisiert Couturieux regelmäßig Ausstellungen und verbindet so immer wieder gekonnt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit der Hip-Hop-Kultur.

Back 2 Tape

2018 hat sich Musikjournalist Niko Hüls in „Back to Tape“ auf eine Reise zu den Wurzeln von Hip-Hop in Deutschland begeben. Nun setzt er seinen Roadtrip im Porsche Cayenne S Coupé quer durch Europa fort. Das Porsche Newsroom-Projekt „Back to Tape” beleuchtet in Kooperation mit dem Hip-Hop-Magazin „Backspin.de” kulturelle Prägungen durch die vier zentralen Elemente von Hip-Hop: Rap, DJing, Breakdance und Graffiti. In Teil 6 besucht Niko Hüls Paris.

Offizielle Playlist von Back 2 Tape

Hinweis

Nikos Roadtrip durch Europa wurde vor Ausbruch des Coronavirus produziert. Porsche, Backspin sowie die involvierten Künstler sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und raten zum derzeitigen Zeitpunkt aus Rücksicht auf die Gesundheit und das Wohlergehen aller Menschen von einer derartigen Reise ab.

Info

Text: Niko Hüls
Fotos: Markus Schwer

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